01 10
spielberg

Nach einer langen Anreise sehe ich heute von Brünn nicht viel mehr als die freilich
recht imposant in Szene und Licht gesetzte Festung Spielberg. Sie ist der krönende
Bildmittelpunkt in dem großen Panoramafenster, das fast die ganze Längsseite
der schönen Stipendiatswohnung einnimmt. Sie ist im obersten Stockwerk eines
Gründerzeit-Mietshauses in der 
Veveři-Straße untergebracht, im Vordergrund,
vor der Festung, ein Park mit herrlichen, alten Bäumen und einer verwaisten
Tischtennisplatte.

Spielberg wacht über den Schlaf meiner ersten Nacht. Das nie grelle - auch bei
der Straßenbeleuchtung nicht -, leicht kupfrige Anstrahlelicht der Burg hat etwas
Heimeliges und kann doch nicht ganz vergessen machen, daß die Festung einer
der brutalsten "Völkerkerker" des Habsburger Reiches war. Vor allem Kaiser Jo-
hann II. begann damit, in den ausbruchssicheren Kasematten seine politischen 
Gegner aus den immer schon separatistisch gesinnten Kronländern mehr oder
minder bei lebendigem Leib verfaulen zu lassen. Auch Franziskus Freiherr von
der Trenck, dessen mumifizierte Leiche in der Gruft der Brünner Kapuziner liegt
war dort oben ein gutes Jahr eingesperrt. Aber das ist eine eigene Geschichte,
die in diesen Tagen sicher noch genauer zu erzählen sein wird, zumal von einem,
der lange in Waldmünchen gelebt hat, einer Stadt, die zu Trenck ein ganz be-
sonderes Verhältnis hat. Jedenfalls geht mir diese Geschichte schon heute
vor dem Einschlafen noch durch den Kopf.

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