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jazzmusiker

Karlsbad also, als die im Grunde folgerichtigste Fortsetzung dessen, was ich
jetzt einen Monat lang in Brünn gemacht habe: das deutsch-tschechische 
Gespräch pflegen. Und da gibt es - zumindest in meiner Erfahrungswelt - kei-
nen zweiten,  der mir soviel gezeigt und gelernt hat, wie solche Grenzgänge-
reien möglich sind, als Dr. Peter Becher, der jahrzehntelange Geschäftsfüh-
rer des Münchner Adalbert-Stifter-Vereins. Er war einer der allerersten, die
nach dem Fall des Eisernen Vorhangs für deutsch-tschechischen Kulturaus-
tausch sorgten. Schon gleich im Jahr 1990 lud er ein zu einem Autorentref-
fen nach Karlsbad, woher seine Familie stammt. Und genau dahin lädt er
jetzt wieder ein, 28 Jahre später und als ihm unbedingt zustehendes High-
light, bevor er jetzt dann Ende Dezember die Geschäftsführerschaft im 
Stifterverein niederliegt und in Rente geht.

Zirka 30 Autorinnen und Autoren, Literaturkritikerinnen und Wissenschaftler,
Zeitungsherausgeber und Journalistinnen kommen hier nun 3 Tage lang 
zusammen, um die "Karlsbader Literaturtage" zu begehen. Heute haben 
wir schon zwei Vorträge gehört, von Tomá
š Dimter und Doris Kouba, der
eine Übersetzer aus dem Deutschen ins Tschechische, die andere in die
umgekehrte Richtung. Höchst kontroverse Beiträge, die ein keineswegs nur
ungetrübtes Bild vom deutsch-tschechischen Literaturaustausch zeichneten
und teilweise auch mit ziemlich umstrittenen Zensurzuweisungen, was 
übersetzungswürdige Literatur sei und was nicht, provozierten. Da wird in 
den nächsten Tagen vielleicht noch das ein oder andere zu diskutieren sein.
Heute aber genießen wir als Auftakt der Tagung das wunderbare Jazzkon-
zert im Klub Paderewski na Husovce, wo die Milan-Krajíc -Band auftritt mit
dem Überraschungsgast Michael Lutzeier. Das ist die absolut richtige Ein-
stimmung auf dieses sicherlich swingende Wochenende.

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