02 11
karlsbad

Natürlich das Thema Russen in Karlsbad. Unser Hotel seht nur 200, 300 Meter
von der russisch-orthodoxen Prachtkriche entfernt. (Wolfang Sreter er-
wähnt in der Einführung zu seiner Lesung - ich muß den Namen des Autors
noch einmal nachfragen - jene Stimme, die sagte, Karlsbads Architektur sei
eine Ansammlung von Sahnetörtchen.) In unserem Hotel selber fast nur
russische Wellness-Gäste. Drum ist um halb zehn Uhr abends auch schon alles
dicht. Die Gäste müssen sich erholen für ihre morgige Gesundheitspackung.
Keine Hotelbar mehr, nichts mehr, selbst die Rezeption zappenduster.

Dabei hätten wir Autoren doch noch so viel zu bereden, auch oder gerade
nach den 11 Lesungen, die wir gestern über den ganzen Tag verteilt gehört
haben. Aber auch über die Erfahrungen unseres Lebens. Mir geht der Satz
nach einer Tschechien, die damals, als der Prager Frühling aufblühte, eine
junge Frau war. Und die vom Einmarsch der Sowjettruppen ganz unmittel-
bar betroffen wurde. Sie sagt zum Beispiel, daß sie ab diesem Zeitpunkt an
der Universität nahezu nur noch Nullen als Leher hatte. Die guten wurden
alle nach und nach "entfernt". Ihr jedenfalls entfährt angesichts des Trei-
bens in den Straßen bei unserem Ausflug hinauf auf den Aussichtspunkt
"Diana" der Satz: "Ich hasse sie einfach, die Russen." Sie weiß selber, was
sie da gerade gesagt hat, und trotzdem faßt dieser Stoßseufzer wohl
etwas ganz Wesentliches ihres Lebns zusammen.

Tja, das hätte man weiter vertiefen wollen und sollen. Aber dafür ist fast
etwas zu wenig Raum bei dieser ungemein dichten Tagung. Es fällt mir
auch etwas schwer, mit meinem Blog hier Schritt zu halten. Ich hoffe,
ich kann morgen - heute abend wohl eher nicht! - noch das ein oder an-
dere nachliefern.

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