03 10
jan skacel kopf

So wie auch Jan Skácel ein menschenliebender Betrachter war, etwa in seinen 
kleinen, ungemein feinen Feuilletons, die weniger bekannt sind als seine Gedichte, 
aber nicht minder lesens- und bewundernswert. Lange, bevor ich Brünn das erste 
Mal betreten habe, habe ich es auf eine gewisse Art schon gekannt. Weil ich Skácel 
gelesen habe. Jahrelang war ihm das Publizieren verboten gewesen, heute ist er 
Ehrenbürger der Stadt. Seine Gedichtverse zieren nicht nur einen Brunnen drunten
in der Stadt, sondern sein Kopf steht nun auch oben auf dem Hügel der Festung 
Spielberg, übrigens gar nicht weit entfernt von dem Weinberg, den man aus 
Anschauungsgründen wieder angelegt hat, um auf die Historie des Weinanbaus 
am Spielberg-Hügel hinzuweisen. Das wird den Wein-Liebhaber Skácel aber freuen! 

Ihm mußte unbedingt mein erster längerer Spaziergang gelten. Sehr schöner Platz, 
wo der Künstler 
Jiři 
Sobotka sein Werk aufgestellt hat: ein Kalksteinsockel, mit ein 
paar Dichter
worten, darauf die Konstruktion aus Stahlrohren, die so geschickt 
verschweißt sind, daß 
sie die 3-D-Simulation von Skácels markantem Gesicht wieder-
geben. Der Kopf schaut 
auf die unter ihm liegende Stadt. Wenn man hinter dem 
Schädel steht, kann man durch die 
Stahlrohre hindurch ebenfalls auf die Häuser 
schauen, quasi mit Skácels Blick. Raffiniert!

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