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krautmarkt

Ich habe die zuverläßlichste Methode herausgefunden, wie man mit den Leuten hier
schnell und unkompliziert ins Gespräch kommt. Meist werde ich direkt in Tschechisch 
angesprochen, anscheinend sieht man mir mein Von-weit-Herkommen nicht gleich an.
Ich habe mir für diesen Fall eine kurze Entgegnung zurechtgelegt. Sie lautet: "Nemluvim 

česky". Ich spreche kein Tschechisch. Damit ist der Fall geritzt. Nun ergießt sich näm-
lich erst recht ein Redeschwall meines Gesprächspartners über mich ... natürlich in 
Tschechisch. Das  finde ich nett, daß man mich anscheinend nur für bescheiden hält, 
nicht aber für beschränkt. Gut, er sagt, daß er kein Tschechisch spricht, aber das wollen
wir mal nicht so ernst nehmen. Oder sie machen einen feinen Unterschied. Gut, er sagt,
er spricht kein Tschechisch, aber verstehen wird er es wohl. Wahrscheinlich habe ich auch, 
Näheres nicht bedenkend, in den Erklärungsredefluß, der mir entgegenkommt, ab und zu 
ein "ano" einfließen zu lassen ... "ja". Noch wirkungsvoller ist "rozumim": "ich verstehe".
Dann hören die anderen gar nicht mehr auf. Jedenfalls, man kann auf diese Art und 
Weise ganz nette Unterhaltungen führen und irgendwie kriegt man dabei schon heraus, 
um was es geht.

So neulich im Supermarkt. Ich steure im Eingangsbereich auf den Automaten zu, den
man am besten mit Flaschenleergut füttert. Ich sehe schon von weitem: Er hat seine
Vordertür aufgeklappt und zeigt seine mechanischen und elektronischen Innereien her.
Ein etwas nachlässig gekleideter älterer Herr mit Stoppelbart sagt etwas zu mir. Ich 
antworte: "Nemluvim 
česky". Ha, da komme ich gerade an den Rechten. Nun fängt 
er erst richtig an, mich aufzuklären. Ich verstehe etwas von "minuty", recht viel mehr 
aber auch nicht und kann mir trotzdem zusammenreimen: Der Apparat ist kurzzeitig 
außer Betrieb. Es dauert aber nicht lange. In ein paar Minuten geht er wieder. Am 
Ende, weil ich mich gelehrig zeige (mehrfaches devotes "ano, ano"), lächelt er sogar. 
Und war am Anfang noch sooo grimmig.

Ich hielt ihn ja für so etwas wie einen gelangweilten Rentner, der im Eingangsbereich
des Supermarktes eigenmächtig nach dem Rechten und der Ordnung sieht. Ich be-
merkte, daß er Einkaufskörbe einsammelte und zu Stapeln aufschlichtete. Als ich 
ihn dann mal mit einer Kassiererin reden sah, wuchs in mir der Verdacht, er könnte 
vielleicht der Filialleiter sein. Oder gar der Besitzer. Mittlerweile kennen wir uns 
schon und grüßen uns. Selbstverständlich in fließendem Tschechisch.

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