Bayerische Traumpaare:

Himmel und Hölle

 

Von Bernhard Setzwein

  

Sendung: Donnerstag, 24. Dezember 2012, 13.30 – 14.00 Uhr, Bayern 2

 

Die Bayern sind ein transzendenten Spekulationen verfallenes Volk. Sie machen sich viele Gedanken darüber, was nach dem Tod kommt. Und alles reduziert sich dabei auf die eine Frage: Himmel oder Hölle? Schon als Kinder beschäftigen sie sich im Spiel mit dieser nicht recht viel weniger als die Ewigkeit bestimmenden Alternative. Und auch später läßt das Fragen nicht nach: Wie wird’s dort zugehen, wen wird man dort wiedertreffen, und wo überhaupt sind Himmel und Hölle? Letzteres übrigens wußte schon Karl Valentin in der Szene "Der Eingang zum Paradies" zu beantworten: "Sehr einfach – der Himmel ist oben und die Hölle ist unten."

Stimmt! Man muß nur einmal den Blick zum Deckenfresko einer x-beliebigen Barockkirche richten und wird feststellen: Oben ist der Himmel. Meist in sehr irdischen Farben und Bildern dargestellt. Um dagegen zu erfahren, wie es in der Hölle zugeht, sollte man zum Beispiel den Mystiker und Schriftsteller Gustav Meyrink lesen, der lange Zeit am Starnberger See gelebt hat, einem sowieso schon himmlisch zu nennenden Paradiesgärtlein.  In "Meine Qualen und Wonnen im Jenseits" berichtet er davon, wie er bereits bei der Überfahrt ins Totenreich von den Mitgliedern des Ruderklubs "Charon" mit Schnaderhüpfln schadenfroh aufs Kommende hingewiesen wird: "Protestantischer Zipfi, / Steig aufi am Gipfi, / Fall abi in d’ Höll, / Bist ’m Teifi sei Gsell."

Bernhard Setzwein hat diesen und andere Jenseitsberichte bayerischer Provenienz gesichtet und mußte feststellen: Je länger man auf Himmel und Hölle starrt, desto verwechselbarer werden sie. Wer möchte schon in einem Elysium seine Ewigkeit verbringen, in dem nichts anderes angesagt ist als "Halleluja singa" und "Manna saufa". Das ist ja geradezu höllisch. Da kann jedes Fegfeuer nur schöner sein. Und die lustigere Blos’n sitzt dort wahrscheinlich sowieso beinand!

 

 

     
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