Bayerische Traumpaare

Land-Ei und Stodterer / Von Bernhard Setzwein

 

Sonntag, 26. Dezember 2012, 13.30 – 14.00 Uhr, Bayern 2
 

Die Aufregung um das Gutachten des „Bayerischen Zukunftsrates“ hat es noch einmal schmerzlich zu Bewußtsein gebracht: Entgegen gerne gepflegten Klischees gibt es im Freistaat in Wahrheit weder ein Nord-Süd-Gefälle noch einen Franken-Altbayern-Gegensatz, sondern nur einen einzigen Antagonismus und der lautet: Land-Ei versus Stodterer! Die Bewohner der Provinz und die Bewohner der Großstadt, sie beäugen sich seit jeher mit Herablassung, Spott und Skepsis, und nicht selten endet ein unvorbereitetes Zusammentreffen der beiden Sozietäten mit einer ruppigen „Schleich di!“-Empfehlung. So ja auch der Zukunftsrat, der den ländlichen Gebiete im Osten Bayerns, die endlich einsehen müßten, daß sie von den Metropolen nicht mehr mitgezogen werden können, vorschlug, sich doch den Land-Eier in Tschechien oder Österreich anzuschließen.

Wie ja überhaupt die Land-Ei/Stodterer-Problematik, genau besehen, eine globale ist. Überall – und somit auch in Bayern – dasselbe: Erst strömen die Provinzler in einer massenhaften Landflucht in die Städte, bewirken dort mit der Zeit eine schleichende Verlandeiung, was schließlich dazu führt, daß Großstädter plötzlich die Landhaus-Mode entdecken und keine andere Freizeitbeschäftigung mehr kennen als das Verirren in Maislabyrinthen und das Einkaufen in Hofläden. Was sich einst neckte, fängt sich an zu lieben. Vielleicht sind ja Land-Ei und Stodterer längst schon ein heimliches bayerisches Traumpaar. Und ihre Kinder die typischen Speckgürtel-Bewohner der Großstädte, die am liebsten mit einem, nämlich dem Buisness-Bein, im urbanen Leben stehen, und mit dem anderen, dem Freizeitbein, in einem – wenn’s sein muß – noch körperwarmen Kuhfladen.

 

 

     
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