Bayerische Traumpaare:

Ober und Unter

 

Von Bernhard Setzwein

  

Sendung: Mittwoch, 13. Januar 2013, 13.30 – 14.00 Uhr, Bayern 2

 

Obersendling und Untersendling, Oberkotzau und Unterkotzau, Oberammergau und Unterammergau: So ist es nun einmal in Bayern, es gibt nur Obere und Untere. Tertium non datur, auch wenn es ausweislich von Landkarten im Bayerischen Wald ein Mitterfirmiansreuth geben soll. Das muß ein Versehen sein, weil etwas Mittleres, gar Vermittelndes gibt es in Bayern nicht. Wie das Verhältnis zwischen dem Ober und dem Unter ist, das weiß jedes bayerische Schulkind … insofern es Fahrschüler ist und in den Genuß der wahren Schule des Lebens kommt, dem Schafkopfspiel in Linienbussen und Pendlerzügen nämlich. Dort lernt man die wirklichen „essentials“, die Mundartautor Herbert Kapfer so formuliert hat: „da oba / schdichd / an unta / owa de hexdn / san d sei“.

Mit anderen Worten: Das Traumpaar „Ober und Unter“ ist wahrscheinlich die Beschreibungskategorie schlechthin, um bayerische Sachverhalte möglichst knapp, aber treffend auf den Punkt zu bringen. Daß die Herrschaftsverhältnisse lange Zeit als völlig unverrückbar galten, hängt sicher damit zusammen, daß sich niemand vorstellen konnte, daß der Unter vielleicht doch irgendwann einmal den Ober sticht. Doch selbst dafür gibt es Beispiele in der weiß-blauen Historie. Denen geht Bernhard Setzwein am Tag der deutschen Einheit genauso nach wie der erstaunlichem Umkehrung, daß die weit „unten“ im Süden hausenden Bayern plötzlich die „Ober“hand über weiter nördlich gelegene Bundesländer haben. Könnte es denn kein oben-und-unten-loses Miteinander geben? Nein, sagen Soziologen. Es sei vielmehr geradezu ein Naturgesetz, daß sich auf Dauer in Gesellschaften immer Hierarchien herausbilden. Die Träume von Basisdemokratie, wo alle etwas zu sagen haben, sind lebensfern, das wird sogar irgendwann bei der Piratenpartei verstanden werden. Und dann gilt auch dort: Der Ober sticht den Unter.

 

 

     
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