Schlußapplaus nach der Premiere von "Fremde Stimmen"
 
 
 
"Eine gelungene, wagemutige Inszenierung"

Schon bevor der tragische Fall der Anneliese Michel in deutsche Kinos kam thematisierte Setzwein-Stück den Fall vom Untermain

2005 und 2006 konnte man in deutschen Kinos zwei Filme sehen, die beide den Fall der Anneliese Michel aus Klingenberg am Untermain thematisierten, den amerikanischen Film "The Exorcism of Emily Rose" und den deutschen des Filmemachers Hans-Christian Schmid, mit dem Titel "Requiem". Es geht um einen Fall von Teufelsaustreibung, den man 1976 an der jungen Frau vornahm und in dessen Verlauf die junge Theologie-Studentin verstarb. Bereits im Sommer 2005 hatte das Stück "Fremde Stimmen" von Bernhard Setzwein auf der Burgruine Freudenberg Premiere. Auch hierzu war der Fall der Anneliese Michel der entscheidende Auslöser.

Nachdem der Produktion bereits im Vorfeld überregionale Beachtung geschenkt worden war, war auch das Medieninteresse zur Premiere entsprechend groß. So berichtete die BR-Abendschau ebenso von der Uraufführung wie Zeitungen und die Rundfunksender SWR sowie BR 5 aktuell. Die "Süddeutsche Zeitung" sprach von einer "grauenhaften Bestätigung" für genau diese mutige Stoffwahl des Freuden- berger Burgschauspielvereins, war es doch nur wenige Wochen vorher zu einer weiteren schauderhaften Parallele gekommen. In Rumänien war an einer junge Nonne ebenfalls der Exorzismus vorgenommen worden, sie kam gleichfalls ums Leben. Allerdings betonte die SZ auch, daß es im Stück von Setzwein um mehr ginge, nämlich um "Frage nach dem Bösen" überhaupt.

Ausgangspunkt war, wie immer bei den Freudenberger Burgschauspielen, ein regio- naler Anknüpfungspunkt. Diesmal war es der Fall der Anneliese Michel aus dem nahen Klingenberg. "Wer heute die Beweisaufnahme des Falls vor dem Aschaffenburger Landgericht liest, glaubt sich im 12. Jahrhundert", schrieb die SZ. Dem Autor diene er jedoch lediglich als "Hintergrundfolie" für sein Stück, das weitaus mehr ist als nur Dokumentartheater. Vielmehr werden kaleidoskopisch die aufregenden bis hysterischen 70er Jahre wieder lebendig. Schleyer-Entführung und die Stürmung der Lufthansa-Maschine "Landshut" sind die Stichworte, die auch die Premiere-Kritik des "Neuen Tags" in Weiden bringt. In diesen Zeithintergrund eingebettet, entfalte sich ein "unterhaltsames Freilichttheater mit literarisch- moralischem Anspruch": "In zwei Dutzend Bildern erzählt Setzwein - genial umgesetzt von Bühnenprofi Dominik Neuner - die Geschichte von religiösem Fanatismus, von Verbohrtheit und Feigheit der Kirchenleitung, von Bigotterie und fehlgeleiteter Frömmigkeit." Und das "Main-Echo" in Aschaffenburg attestiert: "Ein Lackmustest guter Literatur ist von jeher, daß platte Schwarz-weiß-Zeichnung vermieden wird. Diesen Test hat 'Fremde Stimmen' bestens bestanden."

Auch die "Fränkischen Nachrichten" in Wertheim meinen, daß es sich naturgemäß bei so einem Stück um keine leichte Kost handeln könne, dennoch sei sie glänzend serviert und mit viel Applaus bei der Premiere bedacht worden. "Kann man denn 'so etwas' auf die Bühne bringen? Noch dazu im Freilufttheater? Diese Fragen, die sich im Vorfeld so mancher etwas bänglich, nicht wenige skeptisch stellten, fanden am Freitag eine beeindruckende Antwort. Man kann!"

Bilder von der Aufführung, fotografiert von Wolfgang Kiessling (Copyright Foto Kiessling 2005, Verwendung Dritter nur mit Genehmigung)
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